Chinesisch-Deutsche Industriestädteallianz (ISA)

Die Chinesisch-Deutsche Industriestädteallianz (ISA) ist ein innovatives Bündnis von leistungsstarken Industriestandorten und Städten mit industrienahen Dienstleistungen aus China und Deutschland. Ziel ist die effektive, schnelle und direkte Vernetzung von Unternehmen, Branchen und Forschungseinrichtungen. Bilaterale Innovationen und Investitionen werden gefördert.

Die ISA wurde im April 2016 gegründet. Ihr gehören aktuell 12 deutsche Städte aus 6 Bundesländern und 18 chinesische Städte aus 10 Provinzen an.

Die deutschen ISA-Mitgliedsstädte sind: Aachen, Bottrop, Chemnitz, Region Fulda, Region Schwarzwald (Lahr/Freiburg), Ingolstadt, Köln, Mainz, Nürnberg, Städtenetzwerk „Drei gewinnt“ (Rüsselsheim am Main/Raunheim/Kelsterbach), Solingen, Wuppertal.

Die chinesischen ISA-Mitgliedsstädte sind: Foshan, Taizhou, Bao’an, Liuzhou, Maoming, Nansha, Deyang, Nanning, Jieyang, Jiaozuo, Nanchang, Ma’anshan, Zhuzhuo, Jiangmen, Guiyang, Zhaoquing, Panjin, Shantou.

Die PKS Kommunikations- und Strategieberatung GmbH in Berlin ist Ansprechpartner für alle Städte, die bereits Mitglied sind, und alle Städte, die sich für eine Mitgliedschaft interessieren. Die PKS GmbH ist mit dem ISA-Sekretariat in Foshan vernetzt, pflegt das Netzwerk zwischen den Mitgliedsstädten und betreut die Öffentlichkeitsarbeit der ISA in Deutschland.

Kontakt Chinesisch-Deutsche Industriestädteallianz (ISA):
PKS Kommunikations- und Strategieberatung GmbH
Reinhardtstraße 34, 10117 Berlin
E-Mail: isa@pks-gmbh.net

Tel: +49 (30) 25 79 72 – 23
Fax: +49 (30) 25 79 72 – 25

ISA-Newsletter

Ausgabe 5 (Mai 2018)


Im Krönungsaal zu Aachen: Discover Shunde

Auf Einladung des Bezirks Shunde der Stadt Foshan, fand im festlichen Krönungssaal des Aachener Rathauses, moderiert von Staatssekretär a.D. Friedhelm Ost, die „Global Roadshow – Discover Shunde“ statt.

Shunde liegt im Perlflussdelta, der drittgrößten Wirtschaftszone Chinas und Sitz des ISA-Sekretariats Foshan. Der Bezirk hat sich zu einem der weltweit einflussreichsten Standorte für die moderne Fertigungs- und Dienstleistungsindustrie entwickelt.

Nach der Begrüßung der Mitglieder des Bezirksparteikomitees Shunde, Parteisekretär Guo Wenhai, der stellvertretenden Parteisekretärin LIU Yi, und des Ständigen Mitglieds ZHOU Xu, durch Herrn Staatssekretär a.D. Friedhelm Ost, würdigten Bundesminister a.D. Wolfgang Clement und der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp die erfolgreiche deutsch-chinesische Zusammenarbeit und insbesondere die Kooperation des Bezirks Shunde mit den Aachener Hochschulen und der Wirtschaft.

Nach weiteren Ansprachen und einem beindruckenden Imagefilm des Bezirks Shunde folgte der Höhepunkt: Insgesamt wurden 7 Kooperationsabkommen unterzeichnet.

Gemeinsames Projekt der höheren Bildung in Foshan der Foshan Chinesisch-Deutschen Industrie Service Zone und des Werkzeugmaschinenlabors WZL der RWTH Aachen

Guandong-Aachen Industrie 4.0 Application Research Center: Shunde Polytechnic und Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen

Chinesisch-Deutsches medizinisches Kooperationsprojekt: Grandease Medical and Health Technology Company Limited und Asklepios Kliniken GmbH

Kooperationsprojekt zwischen der Foshan Robotation Academy und der Dr. Ing. Paul Christiani GmbH & Co KG

Projekt der Beyond Laser Technology Co. Ltd. in Deutschland (Foshan Beyond Laser Technology und Raschke von Knobelsdorff Heiser)

Strategische Kooperation zwischen der Foshan Chinesisch-deutschen Industrie Service Zone und der Zukunftsallianz Maschinenbau e. V.

Strategisches Kooperationsprojekt zwischen dem Fußballverband des Bezirks Shunde und des FC Augsburg 1907 GmbH & Co. KGaA

Ausgabe 4 (März 2018)


AHK GREATER CHINA: EIN INTERVIEW MIT SABINE DIETLMEIER, DER GENERAL-MANAGERIN IN KARLSRUHE

Die AHK Greater China ist Teil des weltumspannenden AHK-Netzwerkes und vertritt im Auftrag der Bundesregierung deutsche Interessen in China, Hongkong und Taiwan. Mit fünf Hauptbüros sowie acht weiteren Büros in Greater China und Deutschland nimmt sie deutsche Unternehmensinteressen wahr und setzt sich so für den Ausbau der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen ein.
Sabine Dietlmeier, General Managerin der AHK Greater China in Karlsruhe berichtete bei der letzten ISA-Fachtagung am 7. März in Köln über Aufgaben und Zielsetzung der AHK’s.
Die ISA-Newsletter Redaktion hat mit ihr nach der Veranstaltung ein Interview geführt.

Welches sind die Ziele der chinesischen Wirtschaftspolitik und welche Auswirkungen werden Projekte wie „Die neue Seidenstraße/ One Belt, One Road“ oder „Made in China 2025“ auf die europäischen und insbesondere auf die deutschen Märkte der Zukunft haben?
Chinas wirtschaftspolitische Ziele werden von der Zentralregierung in Peking klar definiert und mit verschiedenen Zeithorizonten umgesetzt. Kurzfristig bestimmen die Fünfjahresprogramme die Allokation der staatlichen Ressourcen. Dabei handelt es sich nicht um ungefähre Leitlinien, sondern um quantitative Ziele, wie z.B. im aktuellen 5-Jahresplan der Ausbau der flächendeckenden Breitbandversorgung von derzeit 40 auf 70%, oder eine Reduktion des aktuellen Wasserverbrauchs um 23%. Unternehmen können anhand der im 5-Jahresprogramm genannten Branchen ablesen, in welchen Bereichen in den nächsten 5 Jahren in China investiert wird und so ihre Vertriebsstrategie entsprechend ausrichten.
Mittelfristig bestimmen derzeit 2 Strategiepläne die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft. Made in China 2025 ist ein Bündel von staatlichen Maßnahmen und Vorgaben, die Chinas Unternehmen zur globalen Technologieführerschaft in 10 Schlüsselbranchen führen soll. Zielbranchen sind zum einen Robotik und IT aber auch Bahntechnik und Agrarwirtschaft. In den meisten der anvisierten Branchen haben gerade deutsche Firmen sehr gute Automatisierungslösungen zu bieten und sind daher Wunschpartner chinesischer Firmen. Nicht nur als Lieferant, sondern auch für Kooperationen und gemeinsame Produktentwicklung.

Die 2. Strategische Initiative Chinas, Belt and Road, d.h. das Aufleben der alten Seidenstraßen, ist eine viele Länder einbeziehende Kette von Infrastrukturprojekten, die China und die kontinentalen Staaten bis an die Westküste Europas miteinander verbinden werden. Neue Bahnlinien, der Ausbau von Häfen und Flughäfen erschließen neue Märkte für chinesische Waren, ermöglichen Partnerschaften mit neuen Ländern und sorgen für ökonomische und damit auch politische Stabilität in Regionen, die bisher vom Welthandel nur unzureichend profitiert haben. Hier gilt es aus deutscher Sicht diese Neuordnung der internationalen Zusammenarbeit mitzugestalten und europäische Interessen miteinzubringen. Für Unternehmen wachsen Möglichkeiten als Zulieferer bei Bauprojekten dabei zu sein und neue Märkte zu erschließen.

Langfristig plant die chinesische Regierung den 100. Geburtstag der Gründung der Volksrepublik 2049 mit angemessenem Wohlstand für alle Bürger und als wichtigste politische und wirtschaftliche Macht zu feiern. Konkret steht hier vor allem die nachhaltige Entwicklung der weiter westlich liegenden Provinzen und die Urbanisierung im Vordergrund. Immer mehr Chinesen sollen in großen Städten wohnen. Dazu werden Metropolregionen wie Jing Jin Ji im Norden formiert, in denen 130 Millionen Menschen leben werden. Eine gute Basis für Smart Cities.

Bei der letzten ISA-Fachtagung in Köln berichteten Sie über die Aktivitäten chinesischer Unternehmen in Deutschland, insbesondere auch über die Gründe von 50 chinesischen Konzernen für Investitionen in Deutschland.
Was müssen deutsche Kommunen und Unternehmen vor allem beachten, um für chinesische Investoren attraktiv zu sein?

In einer Studie der TU München wurden 50 chinesische Konzerne nach ihren Gründen für ein Investment in Deutschland befragt. Die Antworten waren – passend zu den in China gesetzten Anreizen für die vorher angesprochenen Strategien – an erster Stelle der Zukauf technologischen know-hows, gefolgt von Sicherung der Marktposition und Erweiterung des Produktportfolios. Einige wollen mit der Gründung in Deutschland einen Brückenkopf in Europa bilden und eine direkte Kundenbetreuung aufbauen. Deutsche Unternehmen, die geeignete komplementäre Produkte, eine Service-Organisation oder Zugang zu Kunden anbieten, sind daher im Fokus für Übernahmen, Beteiligungen oder Kooperationen.
Kommunen, die chinesische Investoren für sich gewinnen wollen, sollten nicht nur an das Unternehmen denken, das sich ansiedeln will, sondern den dazugehörigen Unternehmer und seine Interessen berücksichtigen. Das beginnt bei der Unterstützung zum Erhalt einer Aufenthaltsgenehmigung schon während der Phase der Firmengründung. Wer sich speziell auf asiatische Investoren konzentrieren möchte, sollte ein chinesisches Umfeld fördern, z.B. mit authentischen Einkaufsmöglichkeiten oder einer Sprachschule und ein Welcome Center mit chinesisch sprechendem Personal einrichten, das beim Aufbau der Geschäftstätigkeit genauso unterstützt wie bei Fragen zur Schulausbildung der Kinder oder dem Nachzug der Eltern des Geschäftsführers.
Viele Chinesen kennen nur wenige Städtenamen in Deutschland, meistens Frankfurt, München und Berlin. Vor allen anderen Maßnahmen lohnt es sich zunächst dafür zu sorgen, dass die eigene Kommune, die eigene Stadt in China wahrgenommen wird. Dabei kann z.B. eine Kampagne in chinesischen sozialen Medien, die auch schon zu überschaubaren Kosten zu haben ist, helfen.

China ist für KMU’s längst ein wichtiger Markt geworden. Viele Unternehmen, z. B. aus den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik oder auch der Erneuerbaren Energien, überlegen, auch in der VR China zu investieren.
Was muss ein „Neueinsteiger“ beachten, um in China erfolgreich starten zu können? Welche Risiken gibt es?

Es gibt kaum eine Firma in Deutschland, die sich nicht in der ein oder anderen Form mit China beschäftigt. Als Neueinsteiger ist es zunächst schwer den richtigen Partner für den Vertrieb vor Ort oder auch als Lieferant zu finden. Der Schritt zu einer eigenen Investition in China wird von den meisten deutschen Firmen erst erwogen, wenn sie bereits über Handelskontakte erste Erfahrungen gesammelt haben. Gerade für kleinere KMU’s ist die größte Herausforderung, die für den Aufbau des Chinageschäfts notwendigen Ressourcen bereit zu stellen. Geeignetes Personal aus dem eigenen Unternehmen nach China zu entsenden, scheitert schon an der schmalen Personaldecke. Gutes Personal in China zu finden wird zunehmend schwieriger. Die seit Jahren knappen Fachkräfte mit technischem Wissen und guten Sprachkenntnissen werden immer weniger und gleichzeitig immer gesuchter. Waren es früher nur die ausländischen Unternehmen, die englischsprachigen Technikern und Ingenieuren gute Gehälter gezahlt haben, so brauchen die chinesischen Unternehmen jetzt auch immer mehr international ausgebildete Fachkräfte, um im Ausland erfolgreicher zu werden. Den richtigen Mitarbeitern für die Tochtergesellschaft in China zu finden und dann zu halten ist die wichtigste Voraussetzung für ein erfolgreiches Chinageschäft. Für diesen Aspekt lohnt sich ein Blick weg von den Zentren, in denen bisher hauptsächlich ausländische Investitionen geflossen sind, um sich als kleines mittelständisches Unternehmen, nicht auch noch gegen große Namen beim Wettbewerb um Talente durchsetzen zu müssen. In einigen eher weniger bekannten Städten gibt es oft gute Hochschulen mit technischem Fokus und zunehmend Fachkräfte, die auch gerne in ihrer Heimatstadt bleiben wollen. An solchen Standorten ist es möglicherweise leichter dauerhaft gute Mitarbeiter für die eigene Tochtergesellschaft gewinnen.

Der Handel über das Internet gewinnt immer mehr an Bedeutung für die Unternehmen. Wie soll der Internetauftritt einer Firma gestaltet werden? Gibt es dafür bestimmte Regeln? Wie ist in dem Zusammenhang das Marketing über WeChat zu beurteilen?

Digitaler Vertrieb und elektronischer Handel sind in China entscheidende Wachstumsthemen der letzten Jahre.  Für deutsche Unternehmen ist es daher empfehlenswert, chinesische Kunden nicht nur über eine gute Webseite anzusprechen, sondern auch darüber nachzudenken, ob die Präsenz auf einer der großen Internetplattformen mit einem Webshop notwendig ist. Dabei gilt es bei der Gestaltung der Seiten für chinesische Kunden die besonderen Designwünsche und Inhalte zu berücksichtigen, angefangen von der Symbolik von Farben bis hin zu Chat-Funktionen, die es dem Kunden ermöglichen 24/7 Rückfragen zum Produkt zu stellen. Ergänzend zu einem Online-Shop oder einer Webseite ist es für einen Marketingerfolg in China notwendig, verschiedene elektronische Kanäle zu bespielen. Die Nutzung sozialer Medien ist nicht nur im Privatleben verbreitet. Besonders die WeChat App ist integraler Bestandteil des chinesischen Alltags und ersetzt mit ihren Mitteilungsfunktionen zunehmend den Email Verkehr unter chinesischen Geschäftsleuten. Hier ist es die Aufgabe der deutschen Anbieter für ihre Produkte passende Strategien zu entwickeln, um chinesische Kunden gezielt ansprechen  zu können. Inzwischen gibt es gute Agenturen, die bei Inhalt und Gestaltung beraten und auch dazu, wo ein Werbe-Budget am effektivsten eingesetzt werden kann.

DISCOVER SHUNDE DISCOVER AACHEN –EINE GLOBAL ROAD SHOW IM AACHENER RATHAUS AM 24.4.2018

Das Perlflussdelta ist die drittgrößte Wirtschaftszone Chinas. Shunde befindet sich im Herzen dieser Region und hat sich zu einem der weltweit einflussreichsten Standorte für die moderne Fertigungs- und Dienstleistungsindustrie entwickelt. Die Reform- und Öffnungspolitik wird in Shunde tatkräftig umgesetzt. Insgesamt verfügt die Region über eine gute Infrastruktur, eine reife und moderne Industriestruktur und eine freie und offene Marktumgebung.

Aachen ist ein international bekannter Hochschulstandort. Sowohl die RWTH Aachen als auch die FH Aachen arbeiten und forschen auf internationaler Ebene mit namhaften Unternehmen.
Ziel der Veranstaltung in Aachen ist es, Shunde als offene und innovative Stadt vorzustellen und bekannter zu machen. Man will sich für Absolventen und Wissenschaftler aber auch für wissenschaftliche und wirtschaftliche Kooperationsprojekte empfehlen. Aachen präsentiert sich als Technologiestandort und es werden Kooperationsprojekte vorgestellt, wo Aachen bereits mit Shunde in konkreten Projekten zusammenarbeitet. Neben den Vorträgen von Unternehmen wie e.GO Mobile und KUKA steht auch das Networking der Teilnehmer im Vordergrund, die die Voraussetzung für Kooperationsprojekte zwischen Partnern aus Aachen und Shunde sind.

Zum Download: Einladung zur „Global Road Show – Discover Shunde (Station Aachen)“ pdf
Zum Download: Rückmeldeformular pdf

Ausgabe 3 (Februar 2018)


ROBOTATION ACADEMY

Thomas Rilke ist Leiter und wesentlicher Initiator der Robotation Academy, die im Oktober 2017 in Foshan gegründet wurde und gemeinsam mit der Deutschen Messe dort betrieben wird. Im Interview erläutert Thomas Rilke Struktur und Ziele der Einrichtung und zieht ein erstes Fazit.

Frage: Herr Rilke, die Robotation Academy in Foshan ist das offizielle Zentrum für Robotik, Automation und Industrie 4.0 im Süden Chinas. Was geschieht dort konkret und welche Ziele verfolgt die Einrichtung?
Wir sind sicherlich nicht das „offizielle“ Zentrum für Robotik, Automation und Industrie 4.0 in Süd-China. Was wir aber sein wollen, ist ein sehr engagiertes Informationszentrum für den Einsatz dieser Techniken in der Süd-Chinesischen Industrie. Im Zeitalter der Digitalisierung werden immer mehr Maschinen und Anlagen miteinander vernetzt. Das hat viele Vorteile. Die Unternehmen brauchen aber gute Informationen was sie sich kaufen könnten und wie man diese Technik zum Wohle des einzelnen Unternehmens einsetzen kann. Darüber informieren wir auf Konferenzen und Netzwerkveranstaltungen. Alle Events finden bei uns inmitten der Technik und unter Einbeziehung der Hersteller sowie namhafter Wissenschaftler statt. Also keine reinen Theorie-Veranstaltungen, sondern immer eine gute Mischung aus Theorie und Praxis. Bei uns geht es in jeder Veranstaltung auch ran an die Roboter und die Automationstechnik. So haben wir z.B. in unserem Gebäude eine der größten Industrie 4.0 tauglichen Demonstrationsanlagen Chinas, auf der wir die Vorteile von Industrie 4.0 live zeigen können.

Frage: Wie stellen Sie die Einbindung der Industrie und der Wissenschaft sicher? Können Sie dazu Beispiele nennen?
Die führenden Hersteller von Robotern und Automationstechnik aus Europa und China sind unsere Partner und haben ihre Roboter und Automationstechnik in fertigen Industrie-Lösungen bei uns aufgebaut. Damit sind die Hersteller bei uns eingebunden und stellen ihr Wissen auf unseren Konferenzen zur Verfügung. Darüber hinaus ist es uns gelungen, dass deutsche Fraunhofer Institut „IFF“ aus Magdeburg in Foshan einzubinden. Das Fraunhofer IFF ist eines der renommiertesten produktionstechnischen Institute in Deutschland. Die bauen in Foshan nun ein eigenes Team auf und gestalten mit uns gemeinsam alle Industriekonferenzen und beraten ortsansässige Industrie-Unternehmen in produktionstechnischen Fragen.

Frage: Wie stellt die chinesische Seite sicher, dass die betreffenden Unternehmen in Südchina das Angebot der Robotation Academy auch in Anspruch nehmen?
Unsere hauptsächliche Kommunikation in China läuft über WeChat. Wir laden über WeChat zu unseren Konferenzen ein und telefonieren nochmal mit den angemeldeten Firmen und stellen so sicher, dass wir mit unseren Konferenzen auch die Bedürfnisse der teilnehmenden Firmen treffen. Das funktioniert sehr gut. Unsere erste Konferenz war z.B. mit rund 260 Teilnehmern fast ausgebucht!

Frage: Die Robotation Academy ist nun seit knapp einem halben Jahr eröffnet. Wie lautet Ihr erstes Fazit?
Wir haben inzwischen 22 Hersteller von Robotern, Automation und Industrie 4.0, die in der Robotation Academy in Foshan unsere Partner sind. 14 Partner kommen aus Europa und 8 aus China. Diese Partner haben in der Robotation Academy ihre Roboter und Industrieautomationslösungen betriebsbereit aufgebaut. Wir veranstalten mit den Herstellern gemeinsam Konferenzen und Netzwerkveranstaltungen, informieren über moderne Industrieproduktion und nutzen dabei immer die Lösungen, die die Hersteller in der Akademie aufgebaut haben. Darüber hinaus haben wir noch eine Industrie 4.0 taugliche Produktionsanlage die USB-Sticks herstellt.
Bereits im ersten Jahr werden wir rund 100 Veranstaltungen in der Robotation Academy in Foshan durchführen. 50 dieser Konferenzen werden durch uns, das Fraunhofer IFF und örtliche Partner durchgeführt. Die anderen 50 Veranstaltungen sind Kundenveranstaltungen. D.h. Unternehmen mieten unsere Räume, nutzen unsere Technik oder genießen einfach nur das Ambiente inmitten der Produktionstechnik eine Veranstaltung durchzuführen. Rechnet man die vielen Delegationen hinzu, die uns fast täglich besuchen, so kann man sagen, dass wir an fast jedem Tag bereits Veranstaltungen in unserer neuen Akademie haben. Unsere ersten Konferenzen waren ausgebucht. Wir sind mit dem Start sehr zufrieden und werden die Kapazitäten bereits sehr bald erweitern!

Frage: Eine Spezialität Deutschlands in der internationalen Zusammenarbeit ist der „Export“ des deutschen dualen Systems, das in der ganzen Welt hohes Ansehen genießt.
Auch die südchinesische Wirtschaft leidet unter einem Mangel an Fachkräften unterhalb des akademischen Niveaus. Ist es für Sie vorstellbar, dass sich die Robotation Academy in Foshan in Zukunft über das Networking und die Veranstaltung von einschlägigen Konferenzen hinaus konkret in der beruflichen Aus-und Fortbildung engagiert?

Momentan noch nicht! Aber wir arbeiten an einem Angebot. Der erste Schritt in diese Richtung ist uns bereits gelungen. Der deutsche Marktführer im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung, die Firma Christiani, hat sich bereits in Foshan angesiedelt und startet schon bald mit einem eigenen Aus- und Weiterbildungsprogramm in unserer Robotation Academy. Wir arbeiten ja auch sehr eng mit der Volkswagen Group Academy in Deutschland zusammen und planen auch eine enge Zusammenarbeit mit Volkswagen in China. Volkswagen zählt zu den renommiertesten Unternehmen der deutschen dualen Ausbildung. Auch mit weiteren potentiellen Partnern auf dem Gebiet der Aus- und Weiterbildung laufen Gespräche. Lassen Sie sich überraschen! Wir werden schon bald etwas anbieten.


PROVINZ GUANGDONG: 10 FÖRDERMAßNAHMEN FÜR AUSLÄNDISCHE INVESTOREN

Die Provinz Guangdong hat eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, mit deren Hilfe ausländische Investoren angeworben und ausländische Investitionen in der südchine-sischen Provinz erleichtert werden sollen.
Guangdong ist die wirtschaftsstärkste Provinz Chinas und hat eine starke internationale Orientierung. Mehrere ISA-Mitgliedsstädte, darunter auch die ISA-Initiatorenstadt Foshan, liegen in der Provinz Guangdong.

Die angekündigten Maßnahmen umfassen 36 Einzelkapitel. Sie reichen von einer Er-weiterung des Marktzugangs für ausländische Unternehmen über finanzielle Anreize für ausländische Investments, einer erleichterten Landnutzung durch ausländische Unternehmen bis hin zu Verbesserungen beim Erwerb von Grundstückseigentum.

Besondere Anreize sind für Gemeinschaftsprojekte der Regierung mit  ausländischen Unternehmen  im öffentlichen Bereich – zum Beispiel in den Sektoren Kultur, Erziehung und Sport – vorgesehen.

Ein eigenes Kapitel widmet sich  ausländischen  Einrichtungen und Instituten im Bereich von Research und Development, für die erhebliche Anreize geschaffen werden.

Einige der Regelungen beschränken sich auf bestimmte Wirtschaftssektoren. Die in Aussicht gestellten finanziellen Anreize werden teilweise von der Höhe des ausländischen Investments abhängig gemacht. Von daher ist eine Einzelfallprüfung angeraten.

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Quelle: Department of Commerce of Guangdong Province: „Policy Interpretation of ´Ten Policies and Measures for Foreign Investment´ December 2017


MÜNCHNER SICHERHEITSKONFERENZ

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz äußerte die Vorsitzende des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten des Nationalen Volkskongresses, FuYing, China habe nicht die Absicht, das politische System Chinas und seine Ideologie zu exportieren, vielmehr müsse man die Sicherheitsherausforderungen der heutigen Welt auf globale kooperative Weise ansprechen.

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Quelle: Xinhuanet
Weitere Informationen finden Sie auch im Bericht der Münchener Sicherheitskonferenz: LINK


McKINSEY GLOBAL INSTITUTE

Die McKinsey Studie analysiert den gegen-wärtigen Stand der Digitalisierung in China und prognostiziert die weitere Entwicklung in diesem Bereich.
Sie beleuchtet speziell die Situation in vier Sektoren der chinesischen Wirtschaft, nämlich “consumer and retail“, „automotive and mobility“, „healthcare“ sowie “freight and logistics“. Die Studie liefert eine Einschätzung, in welcher Weise diese Bereiche sich durch die Digitalisierung in den nächsten Jahren verändern werden und welches Wachstums- bzw. Produktivi-tätspotential dabei freigesetzt werden kann. Insofern enthält die Studie auch interessante Hinweise im Hinblick auf die Clusterbildung.

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Quelle: McKinsey Global Institute -„China: Powering the economy to global competitiveness“

Ausgabe 2 (Januar 2018)


ISA-Portal im Aufbau

Zentrales Instrument der ISA ist das ISA-Portal, also die Datenbank mit der Marktplatz-Funktion. Hier präsentieren sich Städte, Unternehmen und Forschungseinrichtungen, stellen z. B. Angebote zu Produkten, Technologien, Flächen oder Veranstaltungen ein, suchen nach Kooperationspartnern, Investoren, Dienstleitungen und vielem mehr.
Das ISA-Portal befindet sich nun im Aufbau, es lebt von den Informationen, die die Städte und Unternehmen dort einstellen. Daher bitten wir Sie schon jetzt ganz herzlich um Ihre Unterstützung und kommen in Kürze persönlich auf Sie zu.
Am Montag, den 23. April 2018 wird während der 5. ISA-Plenarversammlung auf der Hannover Messe das ISA-Portal feierlich eröffnet – wir freuen uns, wenn Sie dabei sind!


Save the Date: ISA-Fachtagung

Am Mittwoch, den 7. März 2018, findet wieder eine ISA-Fachtagung für die Wirtschaftsförderungen der ISA-Städte statt. Die ISA-Fachtagung wird in Köln stattfinden. Ein kurzer Ausblick auf das Programm: Neuigkeiten aus der ISA, vom ISA-Portal und aus den Mitgliedsstädten, Informationen zu den Veranstaltungen auf der Hannover Messe, Experten geben Einblicke in die politische und wirtschaftliche Entwicklung Chinas. Selbstverständlich gibt es wie immer ausreichend Zeit zum Austausch zwischen den Städten und mit den Referenten. Bitte merken Sie sich den Termin bereits jetzt vor, eine Einladung geht Ihnen in Kürze zu.


Save the Date: „Discover Shunde – Enter Foshan“

Am Dienstag, den 24. April 2018, 14:30-18:00 Uhr, findet im Rathaus Aachen die Veranstaltung „Discover Shunde – Enter Foshan“ statt. Shunde ist ein überaus erfolgreicher Bezirk der Stadt Foshan, in dem u.a. Midea angesiedelt ist. Teilnehmen werden: Ministerpräsident Armin Laschet (angefragt), der Aachener Oberbürgermeisters Marcel Philipp, Bundesminister a. D. Wolfgang Clement, der Direktor des WZL Prof. Dr.-Ing. Robert Schmitt, der chinesische Generalkonsul, Ministerpräsident a. D. Lothar de Maizière, zahlreiche Städte- und Unternehmensvertreter aus China und Deutschland sowie deutsche und chinesische Journalisten. Es wird u. a. die Gründung einer öffentlichen Hochschule in Foshan initiiert. Bei Interesse an dieser Veranstaltung melden Sie sich bitte unter isa@pks-gmbh.net.


„Nur im Bündnis und wenn wir Cluster bilden sind wir stark“

Interview mit Dr. Nancy Wilms, Leiterin des China Competence Center, Wirtschaftsförderung Wuppertal

Wuppertal, 15. Januar 2018

PKS: Die Stadt Wuppertal hat im letzten Herbst einen vielbeachteten Deutsch-Chinesischen Automobilkongress veranstaltet, der 350 deutsche und chinesische Vertreter der Automobilbranche zusammengebracht hat. Welches Erfolgskonzept liegt dem zugrunde?
Dr. Wilms: Im Verhältnis zu China sind alle einzelnen Städte in Deutschland (mit Ausnahme von ganz wenigen Großstädten) zu „klein“ und zu „anonym“ und „unbekannt“. Die klassische Standortpräsentation von unseren Kollegen der Wirtschaftsförderung wird die Chinesen wenig beeindrucken. Nur im Bündnis und wenn wir Cluster bilden sind wir stark. Dabei sind nach meiner Erfahrung folgende Erfolgsfaktoren besonders wichtig:

  • Wir müssen Wirtschaftsförderung von den Unternehmen und ihren Bedürfnissen her denken und die Unternehmen ganz in den Vordergrund stellen. Die Regierung hat – auf allen Ebenen – die Aufgabe, im Hintergrund zu unterstützen.
  • Wichtige und richtige Partner zu finden, was voraussetzt, dass man deren Kompetenzen gut kennt.
  • Berücksichtigung der Bedürfnisse und Erwartungen aller Beteiligten.
  • Und bei Veranstaltungen: Statt „Gesichtskonferenz“ mit viel Protokoll einen Kongress mit Inhalten füllen, die sowohl für Deutschland als auch für China aktuell und zukunftsorientiert sind.

Was planen Sie in diesem Zusammenhang für die Hannover Messe im April 2018?
Im Zusammenhang mit unserem deutsch-chinesischen Automobilkongress planen wir, gemeinsam mit einer chinesischen ISA-Mitgliedsstadt einen „Technologie-Inkubator“ in Wuppertal, der von der chinesischen Regierung und den dortigen Automobilunternehmen unterstützt wird. Das Ziel ist, mehr Kooperation zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen bei Technologie-Startups und in den F&E-Zentren großer chinesischer Automobilhersteller und -zulieferer. Wir werden dieses Projekt auf der Hannover Messe vorstellen in der Erwartung, dass sich eine Reihe von deutschen und chinesischen Unternehmen daran beteiligt.

Welche Unterstützung erwarten Sie sich generell von der Chinesisch-Deutschen Industriestädteallianz?
Am wichtigsten für mich ist die Funktion der ISA als effiziente Plattform für mehr Kommunikation und Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedsstädten.

Sie hatten Ihre Kollegen, die Vertreter der Wirtschaftsförderungen aus den deutschen Mitgliedsstädten, eingeladen, zusammen mit den entsprechenden Unternehmen Ihrer Städte an Ihrem Kongress teilzunehmen. Sehen Sie eine Chance, dass die ISA-Mitgliedsstädte sich von Fall zu Fall auch untereinander helfen und unterstützen und zusätzliche Netzwerke bilden? Was kann man gegebenenfalls dafür tun?
Ja, sicher. Man könnte zum Beispiel ein integriertes Marketingkonzept innerhalb der ISA entwickeln. Wenn das Konsens findet und gewünscht wird, könnte jede Stadt für sich eine Kernindustrie als Cluster bestimmen. Wir in Wuppertal sind sehr gern bereit, unsere Erfahrungen, wie man in einem Cluster am besten mit China zusammenarbeitet, mit den anderen Mitgliedsstädten zu teilen.


Foshan – dynamischer Wirtschaftsstandort im Perlflussdelta

Die Stadt Foshan liegt in der südchinesischen Provinz Guangdong im Delta des Perlflusses. Sie hat 7,26 Millionen Einwohner, entwickelt sich wirtschaftlich sehr dynamisch und verfolgt ambitionierte Entwicklungsziele.
Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Foshan auch die Chinesisch-Deutsche Industriestädteallianz initiiert, Foshan ist treibende Kraft und maßgebliche Unterstützerin dieses Bündnisses.
Die Stadt Foshan hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem wichtigen Industriestandort entwickelt. Ein Grund dafür ist die sehr günstige geographische Lage an einem der bedeutendsten Verkehrsknotenpunkte der Provinz Guangdong mit Zugang zu wichtigen Häfen und internationalen Schifffahrtsrouten. Hongkong und Macao, mit denen ein enger Austausch besteht, befinden sich keine 150 km entfernt.
Die Provinz Guangdong hatte sich schon vor Jahren einen Ruf als Werkbank der Welt erworben. Sie ist heute eine der sich wirtschaftlich am schnellsten entwickelnden Regionen der Welt. Zu den Vorzügen der Region zählen ihre exzellente Verknüpfung mit den Weltmärkten und den anderen chinesischen Provinzen und eine starke Exportorientierung. Auf der Rangliste des 21st Century Economic Institute von Ende 2016 steht Guangdong ganz oben als die Provinz mit den besten Investitionsrahmenbedingungen in ganz China. Ihre Stellung als wirtschaftsstärkste chinesische Provinz behauptet sie seit nunmehr 28 Jahren. Wäre Guangdong ein unabhängiger Staat, stünde es auf Platz 15 der Liste der weltweit führenden Industrieländer.

Foshan – Spitzenreiter in einer hochdynamischen Region

Innerhalb dieser pulsierenden Region zählt Foshan zu den Spitzenreitern in der Entwicklungsdynamik: In den ersten drei Quartalen des Jahres 2017 ist das BIP von Foshan gegenüber dem letzten Jahr um 8,6 Prozent (auf 687,074 Mrd. Yuan) gestiegen. Im gleichen Zeitraum verzeichnete Guangzhou (Kanton) ein Wachstum von 7,3 Prozent und Gesamtchina ein Wachstum von 6,9 Prozent. Für 2018 wird für Foshan ein Wachstum von 8 Prozent prognostiziert (Guangzhou: 7,5 Prozent, Gesamtchina: 6,7 Prozent).
Zu den wichtigsten Wirtschaftsbranchen Foshans gehören der Anlagen- und Maschinenbau, die Automobilindustrie, die Metallurgie, die chemische und petrochemische Industrie, der Umweltbereich sowie – teilweise mit langer Tradition – das produzierende Gewerbe mit Schwerpunkt Möbel, Plastik, Haushaltsgeräte, Keramik und Textilien.

Schwerpunkt: Zusammenarbeit mit Deutschland

Foshan setzt einen Schwerpunkt bei der Zusammenarbeit mit Deutschland. Seit 2014 besteht eine Partnerschaft mit Ingolstadt. Bereits 2012 wurde die „Foshan Sino-German Industrial Services Zone“ mit einer Planungsfläche von 29,5 Quadratkilometern gegründet, um die Ansiedlung für deutsche Unternehmen zu erleichtern. Hier werden Mittelständler und Konzerne unterstützt, um Produktionsstätten zu errichten und Vertriebsnetze im chinesischen Markt aufzubauen.
In Guangdong haben sich nach Angaben des Auswärtigen Amtes bisher gut 600 deutsche Unternehmen angesiedelt – 52 Prozent haben eine Produktion vor Ort gegründet, 48 Prozent sind Dienstleister oder Repräsentanzbüros.
Zu den bereits angesiedelten deutschen Unternehmen in Foshan gehören zum Beispiel Allianz, Volkswagen, Siemens, Remondis, Kuka, BASF und Osram, aber auch mittelständische Firmen, denn wie groß deren Innovationspotential ist, hat sich in China herumgesprochen.
Auch im Messebereich hat Foshan große Anstrengungen unternommen und es geschafft, sich innerhalb kürzester Zeit zu profilieren. 2017 wurde ein erster Bauabschnitt des Messegeländes mit 50.000 Quadratmetern, einem großen Kongresszentrum und fünf Ausstellungshallen in Betrieb genommen. Der zweite Abschnitt mit weiteren 50.000 Quadratmetern, Hotel und fünf Ausstellungshallen wurde 2017 begonnen und soll Ende 2018 beendet sein. Das sind Bauzeiten, die einen staunen lassen. Foshan pflegt übrigens eine enge Zusammenarbeit mit der Messe Hannover.

Modernisierung der Industrie als Hauptziel

Foshan ist ambitioniert dabei, seine Wirtschaftsstruktur zu modernisieren. Insbesondere innovative Industrien sowie Wissenschaft und Technik sollen angesiedelt werden. Bestehende, auch kleinere, Unternehmen sollen modernisiert und im Prozess der Digitalisierung unterstützt werden. Dabei setzt die Stadt in besonderer Weise auf eine für beide Seiten fruchtbare Zusammenarbeit mit den deutschen ISA-Städten und ihren Unternehmen und Forschungseinrichtungen.

Ausgabe 1 (Dezember 2017)


„China ist ein herausfordernder Markt“

Ingolstadts Oberbürgermeister Dr. Christian Lösel erläutert seine China-Strategie

Ingolstadt, 7. Dezember 2017

PKS: Herr Oberbürgermeister Dr. Lösel: Ingolstadt boomt und wächst wie kaum eine andere Stadt in Deutschland. Besonders im Automobilbau einschließlich des mittelständischen Zulieferbereichs und im Maschinenbau hat Ihre Stadt eine starke Position. Der große Ingolstädter Arbeitgeber Audi hat gerade erst seine Beschäftigungsgarantie bis 2025 verlängert. Seit 2014 pflegt Ingolstadt enge Kontakte nach China, insbesondere nach Foshan. Sie haben gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit klargemacht, wie wichtig Ihnen der Ausbau dieser Kontakte ist. Warum braucht Ihre Stadt diese Kontakte nach China? Die großen Player wie Audi können das doch auch aus eigener Kraft. Wo sehen Sie die Chancen?

Dr. Lösel: China ist inzwischen einer der größten Handelspartner Bayerns und die wirtschaftlichen Beziehungen nehmen weiter zu. Die großen Unternehmen wie Audi sind schon längst auf diesem Markt vertreten und sind selbst in der Lage sich in China zurechtzufinden. Aber für unsere Mittelständler ist China ein sehr interessanter, aber auch herausfordernder Markt. Chinesische Städte unterstützen ihre Unternehmen sehr stark bei Investitionen im Ausland. Deshalb ist es auch mir wichtig unseren heimischen Unternehmen diese Unterstützung zu geben. Aber natürlich sind auch Investitionen chinesischer Unternehmen am Standort Ingolstadt eines meiner Ziele in der von mir 2014 aufgestellten China Strategie der Stadt Ingolstadt. Mit dem 2015 geschaffenen China Zentrum Bayern in unserem Existenzgründerzentrum haben wir eine auf chinesische Bedürfnisse ausgerichtete Einrichtung in Ingolstadt geschaffen, die es so noch nicht in Bayern und im Süden Deutschlands gegeben hat. Vorbild sind für uns Städte wie Düsseldorf, Hamburg und Frankfurt am Main, die es geschafft haben sehr viele chinesische Investoren zu gewinnen.

Sehen Sie auch Risiken? Gibt es Entwicklungen, die Ihnen Sorgen machen?
China und Deutschland haben unterschiedliche Regierungsformen. Damit muss man umgehen. Das hat Vor- und Nachteile. Durch die Öffnungspolitik der letzten Jahrzehnte wurde wirtschaftlich, aber auch politisch viel erreicht, manches können wir noch verbessern. Wir wollen diesen Weg weitergehen, wollen uns China und seinen Menschen zuwenden, denn nur wenn wir uns treffen und miteinander reden, können beide Seiten voneinander lernen. Das haben schon Ingolstädter Professoren vor 300 Jahren erfolgreich am Hofe des chinesischen Kaisers praktiziert. Sie haben sich auf die fremde Kultur eingelassen und von den Chinesen genauso viel gelernt, wie diese von den Jesuiten aus Ingolstadt. Wir glauben, dass eine moderne innovative Gesellschaft auch einen gewissen Freiheitsgrad erfordert. Natürlich sehen wir nicht alle Entwicklungen in China durchwegs positiv.

Forcieren Sie auch den Austausch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel Bildung und Wissenschaft?
Gerade das ist mir persönlich sehr wichtig. Unsere Kinder müssen sich in einer globalisierten Welt zurechtfinden. Dazu gehören nicht nur die EU-Staaten, die USA und Russland. Eine zunehmend immer wichtiger werdende Rolle sehe ich hier vor allem in Asien und speziell in China. Daher ist der Schüleraustausch ein wichtiger Baustein unserer China Strategie. Ingolstadt hat bereits drei weiterführende Schulen mit Partnerschulen in Foshan und der Austausch wird intensiv praktiziert. Beide Ingolstädter Hochschulen haben mehrere Partnerhochschulen in China und tauschen regelmäßig Studenten aus. An beiden Hochschulen haben wir permanent um die 200 Studenten aus dem Reich der Mitte. Mit dem in diesem Jahr eröffneten Audi Konfuzius Institut haben wir in Ingolstadt nicht nur das dritte Konfuzius Institut in Bayern, sondern auch das weltweit erste Konfuzius Institut, das sich außer mit Kultur und Sprache noch mit Forschung und Technik befasst. Unsere Technische Hochschule arbeitet dabei sehr eng mit der Southern China University of Technology in Guangzhou zusammen.

Ingolstadt ist als erste deutsche Stadt der Chinesisch-Deutschen Industriestädteallianz beigetreten. Worin sehen Sie die Vorteile dieser Allianz für Ihre Stadt?
Die Chinesisch-Deutsche Industriestädteallianz (ISA) ist eine Initiative für den Mittelstand und verbindet die Kommunen in beiden Ländern direkt. Als wir von unseren Partnern in Foshan von dieser Idee erfahren haben, waren wir sofort mit dabei. Mittelständler haben nicht die Größe und die zeitlichen und finanziellen Mittel wie Großkonzerne. Ziel der ISA ist es den Mittelständlern beider Länder beim Eintritt in den jeweiligen anderen Markt mit Rat, Tat und entsprechenden Tools zur Seite zu stehen. Das hat mich überzeugt.

Was wünschen Sie sich für die zukünftige Entwicklung dieser Industriestädteallianz?
Wir erwarten von dieser Initiative eine Katalysatorfunktion bei gegenseitigen Investitionen. Wir in Ingolstadt freuen uns über jede chinesische und jede deutsche Stadt, die der Allianz beitritt und damit ihre Offenheit für das andere Land zeigt. In erster Linie geht es aber um die Unternehmer. Sie müssen bei der Wahl des passenden Standortes eine Auswahl haben und eine tragfähige Unterstützung bekommen. Dazu ist die beste Lösung ein solches Netzwerk. Wir haben deshalb 2016 die Partnerschaft zwischen unserem China Zentrum Bayern und der Sino German Industrial Service Zone in Foshan unterzeichnet. Die ISA hat Städte mit den verschiedensten Schwerpunkten. Gemeinsam profitieren am Ende alle von diesem Netzwerk.

Wenn Sie auf die wirtschaftliche Entwicklung Ihrer Partnerstadt Foshan schauen – was beeindruckt Sie am meisten?
Als Stadt Ingolstadt gelten wir in Deutschland als „die Boom-Town“. Wir wachsen jedes Jahr stark – für deutsche Verhältnisse – und haben beste Plätze bei Städte-Vergleichen. Wenn wir uns dann aber die Wachstumsraten unserer Partnerstadt Foshan ansehen, ist das ein Vielfaches davon. Das muss eine Stadt auch erst einmal bewältigen. Jedes Mal wenn ich wieder nach Foshan komme, sehe ich wie rasant sich die Stadt weiterentwickelt und wie schnell dort Projekte Realität werden. Das finde ich bewundernswert.

Gibt es auch Dinge, über die Sie sich bei Ihren China-Besuchen gewundert haben und die Ihnen ganz fremd vorkamen?
Ich selbst war schon als Student in China, daher ist mir das Land nicht fremd. Deshalb gibt es keine Dinge, die mich überraschten oder mir komplett fremd vorkamen.