Chinesisch-Deutsche Industriestädteallianz (ISA)

Die Chinesisch-Deutsche Industriestädteallianz (ISA) ist ein innovatives Bündnis von leistungsstarken Industriestandorten und Städten mit industrienahen Dienstleistungen aus China und Deutschland. Ziel ist die effektive, schnelle und direkte Vernetzung von Unternehmen, Branchen und Forschungseinrichtungen. Bilaterale Innovationen und Investitionen werden gefördert.

Die ISA wurde im April 2016 gegründet. Ihr gehören aktuell 12 deutsche Städte aus 6 Bundesländern und 18 chinesische Städte aus 10 Provinzen an.

Die deutschen ISA-Mitgliedsstädte sind: Aachen, Bottrop, Chemnitz, Region Fulda, Region Schwarzwald (Lahr/Freiburg), Ingolstadt, Köln, Mainz, Nürnberg, Städtenetzwerk „Drei gewinnt“ (Rüsselsheim am Main/Raunheim/Kelsterbach), Solingen, Wuppertal.

Die chinesischen ISA-Mitgliedsstädte sind: Foshan, Taizhou, Bao’an, Liuzhou, Maoming, Nansha, Deyang, Nanning, Jieyang, Jiaozuo, Nanchang, Ma’anshan, Zhuzhuo, Jiangmen, Guiyang, Zhaoquing, Panjin, Shantou.

Die PKS Kommunikations- und Strategieberatung GmbH in Berlin ist Ansprechpartner für alle Städte, die bereits Mitglied sind, und alle Städte, die sich für eine Mitgliedschaft interessieren. Die PKS GmbH ist mit dem ISA-Sekretariat in Foshan vernetzt, pflegt das Netzwerk zwischen den Mitgliedsstädten und betreut die Öffentlichkeitsarbeit der ISA in Deutschland.

Kontakt Chinesisch-Deutsche Industriestädteallianz (ISA):
PKS Kommunikations- und Strategieberatung GmbH
Reinhardtstraße 34, 10117 Berlin
E-Mail: isa@pks-gmbh.net

Tel: +49 (30) 25 79 72 – 23
Fax: +49 (30) 25 79 72 – 25

ISA-Newsletter


Ausgabe 1 (Dezember 2017)


„China ist ein herausfordernder Markt“

Ingolstadts Oberbürgermeister Dr. Christian Lösel erläutert seine China-Strategie

Ingolstadt, 7. Dezember 2017

PKS: Herr Oberbürgermeister Dr. Lösel: Ingolstadt boomt und wächst wie kaum eine andere Stadt in Deutschland. Besonders im Automobilbau einschließlich des mittelständischen Zulieferbereichs und im Maschinenbau hat Ihre Stadt eine starke Position. Der große Ingolstädter Arbeitgeber Audi hat gerade erst seine Beschäftigungsgarantie bis 2025 verlängert. Seit 2014 pflegt Ingolstadt enge Kontakte nach China, insbesondere nach Foshan. Sie haben gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit klargemacht, wie wichtig Ihnen der Ausbau dieser Kontakte ist. Warum braucht Ihre Stadt diese Kontakte nach China? Die großen Player wie Audi können das doch auch aus eigener Kraft. Wo sehen Sie die Chancen?

Dr. Lösel: China ist inzwischen einer der größten Handelspartner Bayerns und die wirtschaftlichen Beziehungen nehmen weiter zu. Die großen Unternehmen wie Audi sind schon längst auf diesem Markt vertreten und sind selbst in der Lage sich in China zurechtzufinden. Aber für unsere Mittelständler ist China ein sehr interessanter, aber auch herausfordernder Markt. Chinesische Städte unterstützen ihre Unternehmen sehr stark bei Investitionen im Ausland. Deshalb ist es auch mir wichtig unseren heimischen Unternehmen diese Unterstützung zu geben. Aber natürlich sind auch Investitionen chinesischer Unternehmen am Standort Ingolstadt eines meiner Ziele in der von mir 2014 aufgestellten China Strategie der Stadt Ingolstadt. Mit dem 2015 geschaffenen China Zentrum Bayern in unserem Existenzgründerzentrum haben wir eine auf chinesische Bedürfnisse ausgerichtete Einrichtung in Ingolstadt geschaffen, die es so noch nicht in Bayern und im Süden Deutschlands gegeben hat. Vorbild sind für uns Städte wie Düsseldorf, Hamburg und Frankfurt am Main, die es geschafft haben sehr viele chinesische Investoren zu gewinnen.

Sehen Sie auch Risiken? Gibt es Entwicklungen, die Ihnen Sorgen machen?
China und Deutschland haben unterschiedliche Regierungsformen. Damit muss man umgehen. Das hat Vor- und Nachteile. Durch die Öffnungspolitik der letzten Jahrzehnte wurde wirtschaftlich, aber auch politisch viel erreicht, manches können wir noch verbessern. Wir wollen diesen Weg weitergehen, wollen uns China und seinen Menschen zuwenden, denn nur wenn wir uns treffen und miteinander reden, können beide Seiten voneinander lernen. Das haben schon Ingolstädter Professoren vor 300 Jahren erfolgreich am Hofe des chinesischen Kaisers praktiziert. Sie haben sich auf die fremde Kultur eingelassen und von den Chinesen genauso viel gelernt, wie diese von den Jesuiten aus Ingolstadt. Wir glauben, dass eine moderne innovative Gesellschaft auch einen gewissen Freiheitsgrad erfordert. Natürlich sehen wir nicht alle Entwicklungen in China durchwegs positiv.

Forcieren Sie auch den Austausch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel Bildung und Wissenschaft?
Gerade das ist mir persönlich sehr wichtig. Unsere Kinder müssen sich in einer globalisierten Welt zurechtfinden. Dazu gehören nicht nur die EU-Staaten, die USA und Russland. Eine zunehmend immer wichtiger werdende Rolle sehe ich hier vor allem in Asien und speziell in China. Daher ist der Schüleraustausch ein wichtiger Baustein unserer China Strategie. Ingolstadt hat bereits drei weiterführende Schulen mit Partnerschulen in Foshan und der Austausch wird intensiv praktiziert. Beide Ingolstädter Hochschulen haben mehrere Partnerhochschulen in China und tauschen regelmäßig Studenten aus. An beiden Hochschulen haben wir permanent um die 200 Studenten aus dem Reich der Mitte. Mit dem in diesem Jahr eröffneten Audi Konfuzius Institut haben wir in Ingolstadt nicht nur das dritte Konfuzius Institut in Bayern, sondern auch das weltweit erste Konfuzius Institut, das sich außer mit Kultur und Sprache noch mit Forschung und Technik befasst. Unsere Technische Hochschule arbeitet dabei sehr eng mit der Southern China University of Technology in Guangzhou zusammen.

Ingolstadt ist als erste deutsche Stadt der Chinesisch-Deutschen Industriestädteallianz beigetreten. Worin sehen Sie die Vorteile dieser Allianz für Ihre Stadt?
Die Chinesisch-Deutsche Industriestädteallianz (ISA) ist eine Initiative für den Mittelstand und verbindet die Kommunen in beiden Ländern direkt. Als wir von unseren Partnern in Foshan von dieser Idee erfahren haben, waren wir sofort mit dabei. Mittelständler haben nicht die Größe und die zeitlichen und finanziellen Mittel wie Großkonzerne. Ziel der ISA ist es den Mittelständlern beider Länder beim Eintritt in den jeweiligen anderen Markt mit Rat, Tat und entsprechenden Tools zur Seite zu stehen. Das hat mich überzeugt.

Was wünschen Sie sich für die zukünftige Entwicklung dieser Industriestädteallianz?
Wir erwarten von dieser Initiative eine Katalysatorfunktion bei gegenseitigen Investitionen. Wir in Ingolstadt freuen uns über jede chinesische und jede deutsche Stadt, die der Allianz beitritt und damit ihre Offenheit für das andere Land zeigt. In erster Linie geht es aber um die Unternehmer. Sie müssen bei der Wahl des passenden Standortes eine Auswahl haben und eine tragfähige Unterstützung bekommen. Dazu ist die beste Lösung ein solches Netzwerk. Wir haben deshalb 2016 die Partnerschaft zwischen unserem China Zentrum Bayern und der Sino German Industrial Service Zone in Foshan unterzeichnet. Die ISA hat Städte mit den verschiedensten Schwerpunkten. Gemeinsam profitieren am Ende alle von diesem Netzwerk.

Wenn Sie auf die wirtschaftliche Entwicklung Ihrer Partnerstadt Foshan schauen – was beeindruckt Sie am meisten?
Als Stadt Ingolstadt gelten wir in Deutschland als „die Boom-Town“. Wir wachsen jedes Jahr stark – für deutsche Verhältnisse – und haben beste Plätze bei Städte-Vergleichen. Wenn wir uns dann aber die Wachstumsraten unserer Partnerstadt Foshan ansehen, ist das ein Vielfaches davon. Das muss eine Stadt auch erst einmal bewältigen. Jedes Mal wenn ich wieder nach Foshan komme, sehe ich wie rasant sich die Stadt weiterentwickelt und wie schnell dort Projekte Realität werden. Das finde ich bewundernswert.

Gibt es auch Dinge, über die Sie sich bei Ihren China-Besuchen gewundert haben und die Ihnen ganz fremd vorkamen?
Ich selbst war schon als Student in China, daher ist mir das Land nicht fremd. Deshalb gibt es keine Dinge, die mich überraschten oder mir komplett fremd vorkamen.